Führerschein wird günstiger! … wirklich? ❗❓

Seit Monaten hört man ein Versprechen:
„Der Führerschein soll günstiger werden.“

Für viele junge Menschen und Familien klingt das nach Entlastung.
Aber sobald man genauer hinschaut, springt eine rote Warnlampe an:

Wird hier „Sparen“ verkauft – und am Ende mit der Verkehrssicherheit bezahlt?

Ich bin Fahrlehrer.
Ich bin kein Besitzer einer großen Fahrschulkette und verteidige kein Geschäftsmodell.

Ich verteidige etwas anderes:
Dass Fahrausbildung logisch, wirksam und sicher bleibt – und dass politische Entscheidungen nicht an der Praxis vorbeigehen.

Das Ziel muss klar sein:
Ein Führerschein, der bezahlbar bleibt – ohne Abstriche bei der Sicherheit.

Worum geht es konkret?
Hier die wichtigsten Punkte aus Sicht eines Praktikers.


1) Gute Idee: E-Learning – ja, bitte

Es gibt Punkte in der Reformdiskussion, die ich ausdrücklich unterstütze.
Ganz vorne: E-Learning für die Theorie.

Kursanten können zu Hause im eigenen Tempo lernen –
in sauberem Hochdeutsch und perspektivisch auch in der Sprache, in der die Prüfung angeboten wird.
Das ist modern und oft sinnvoll.

Wird es dadurch automatisch „viel günstiger“?
Eher nicht.

Aber Organisation kann einfacher werden und Kosten können sinken
(grobe Größenordnung: 150–300 Euro).
Das ist seriös.

Und genau hier beginnt der Widerspruch.


2) Häufiges Missverständnis: Klasse B ist nicht gleich B197

B197 ist weiterhin ein Führerschein der Klasse B –
nur mit einem anderen Ausbildungsweg.

Wichtig:
Für die Schaltkompetenz gibt es eine Mindestanforderung von 10 Fahrstunden
plus einen praktischen Kompetenz-Check.

Erst danach darf die Prüfung auf Automatik erfolgen.

Ich empfehle B197 oft, weil viele Menschen in der Prüfung weniger „Mechanik-Stress“ haben und sich stärker auf das Wesentliche konzentrieren können:
Beobachtung, Verkehrszeichen, Vorrang, Gefahren und Entscheidungen.

B197 war eine sinnvolle Mini-Reform.
Gerade deshalb verstehe ich nicht, warum man hier nun eine scheinbare Abkürzung verkaufen will.


3) Rote Warnlampe: Was Simulatoren können – und was nicht

Ich saß selbst im Fahrsimulator.
Ich weiß, was er kann – und was er nicht kann.

Ein Simulator kann Basics zeigen.
Aber echte Fahrausbildung ist mehr als ein Szenario am Bildschirm.

In der Realität zählen:

  • echtes Sehen: Blickführung, Kopfbewegungen, Spiegelarbeit
  • echtes Tempo: Abstände, Dynamik, Geschwindigkeiten
  • echte Entscheidungen unter Druck
  • echter Stress und echte Verantwortung

Ein Simulator ersetzt keine manuelle Fahrzeugbeherrschung.

Kupplung, Lastwechsel, Reaktion des Fahrzeugs –
das sind körperliche Erfahrungen.
Im Simulator fehlt dieser „Ernstfall“.

In der Praxis kann ein falscher Reflex teuer werden.
Auf der Straße hat ein Fehler Folgen.


4) „E-Learning spart Räume“ – und dann Simulatorräume?

Ein Teil der politischen Erzählung lautet:
Mit E-Learning brauchen Fahrschulen weniger Unterrichtsräume.

Gleichzeitig wird über verpflichtende Simulatoranteile diskutiert.

Wo stehen diese Simulatoren?
In der Luft?

Simulatoren brauchen Raum, Strom, Wartung, Organisation und oft Aufsicht.
Das ist keine Einsparung, sondern Kostenverschiebung.

Mit dem Risiko, dass am Ende die Sicherheit den „Preis“ zahlt.


5) Wirkung schon jetzt spürbar

Unklare politische Signale erzeugen einen Warte-Effekt.
Menschen verschieben die Anmeldung, weil sie hoffen, es werde bald billiger.

Das trifft Fahrschulen und Fahrlehrer direkt.

Eine Reform kann schon vor Inkrafttreten Schaden anrichten,
wenn sie Erwartungen schürt und die Praxis destabilisiert.


6) Ein einfacher Logiktest

Wenn in kurzer Zeit zehntausende Geräte „in den Markt“ müssen,
entstehen enorme Summen.

Deshalb gilt:
Safety first. Verkehrssicherheit zuerst.

In der Fahrausbildung bedeutet „wir probieren es mal“ am Ende,
dass jemand die Konsequenzen auf der Straße trägt.


7) Ein Satz an den Minister

Herr Minister,
ich bin sicher, dass Sie kluge Menschen beraten.

Aber ich glaube nicht, dass in dieser Frage alle einer Meinung sind.

Bitte machen Sie den wichtigsten Schritt:
Sprechen Sie mit den Praktikern.
Mit Fahrlehrern, die jeden Tag Menschen im echten Verkehr ausbilden.

Nicht über unsere Köpfe hinweg.

Wir wollen helfen,
bevor eine gut gemeinte Reform in die falsche Richtung läuft.


Teaser für die Serie

Im nächsten Artikel zeige ich konkret und praxisnah,

  • warum Simulatoren reale Fahrpraxis nicht ersetzen können,
  • warum der Vergleich mit Piloten oft irreführend ist,
  • und welcher erste Schritt den Führerschein wirklich günstiger machen kann – ohne Risiko für die Sicherheit.

Kommentar von Barto, Fahrlehrer.